Von einer Schicht zur nächsten: Der Arbeitstag einer Mutter.

Ein Text von Simona Isler und Anja Peter

Simona Isler (links) und Anja Peter (rechts). Bild: Elia Aiano.

«Von einer Schicht zur nächsten» schildert den Arbeitstag einer Mutter – geprägt von Sorgearbeit, bezahlt und unbezahlt. Spätdienst im Spital, Frühdienst zu Hause. Mehrere Schichten an einem Tag.

Pflege im Spital, Betreuung zu Hause, Rechnungen, Schlafmangel, Sorge um die Altersvorsorge – ein Tag, der kein Ende nimmt.

Der Text von Simona Isler und Anja Peter zeichnet den Alltag einer Mutter nach, die im Spital arbeitet – und zu Hause weitermacht. Er zeigt, wie eng bezahlte und unbezahlte Sorgearbeit miteinander verflochten sind. Sie folgt derselben Logik der Beziehungsarbeit, sie braucht Zeit und leidet unter denselben politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen.

Seit der Einführung der Fallpauschalen steht die Pflege unter permanentem Effizienzdruck. Zeit – die Grundlage für die Qualität der Arbeit – wird zur knappsten Ressource: in Spitälern ebenso wie in Familien.

Frauen leisten den grössten Teil der unbezahlten Arbeit, oft ohne ausreichende öffentliche Infrastruktur oder gesellschaftliche Entlastung. Und sie arbeiten überdurchschnittlich oft in der bezahlten Sorgearbeit. Aus diesen Gründen verfügen sie am Ende über tiefere Einkommen und Renten. Der jährliche Einkommensverlust der Frauen beträgt rund 100 Milliarden Franken – ein strukturelles Problem, kein individuelles.

Sorgearbeit ist die Grundlage unseres Zusammenlebens, unserer Gesellschaft und der Wirtschaft – und zugleich systematisch unterfinanziert und abgewertet. Die Frauen wissen das und tun, was getan werden muss. Und sie haben recht. Aber die Kosten für diese Arbeitsleistung dürfen wir nicht länger allein den Frauen aufbürden: wir sollten sie gemeinsam tragen. Das nennt sich Gerechtigkeit. Doch dafür brauchen wir eine Politik, die Sorgearbeit als gesellschaftliche Infrastruktur und als unverzichtbare Arbeit begreift.

Der Text «Von einer Schicht zur nächsten: Der Arbeitstag einer Mutter.» ist erschienen in: 8½ Stunden sind kein Tag. Über die Arbeit und wie sie unser Leben bestimmt. Ein Lesebuch zu Lebens- und Arbeitsrealitäten in Liechtenstein seit 1719.

Erhältlich im Buchhandel oder direkt bei edition danke, bitte, tschüss.

Büro für Feminismus - Grafikelement

Aktuell im Büro für Feminismus

«Die Schweiz braucht eine Care-Revolution»

«Die Schweiz braucht eine Care-Revolution»

Beitrag über die Gründung des Büro für Feminismus im Bund

Im Zentrum der Arbeit steht nichts Geringeres als eine Neuorganisation der Wirtschaft. Ausgangspunkt dafür ist eine feministische Analyse der gegenwärtigen Verhältnisse. Eine solche Analyse nimmt in den Blick, was normalerweise ausgeblendet wird: Die Arbeits- und Lebensrealitäten von Frauen.

Das Büro für Feminismus nimmt Gestalt an

Das Büro für Feminismus nimmt Gestalt an

Bald gibt es das Büro für Feminismus auch ganz real mit einem Büro in Bern und einer Koordinatorin. Wir freuen uns sehr, dass Mirjam ab März ihre Arbeit aufnimmt. Sie übernimmt die Organisation administrativer Aufgaben, koordiniert unsere Kommunikation und behält den...

Mehr Zeit und Geld für Sorgearbeit

Mehr Zeit und Geld für Sorgearbeit

Ein Beitrag mit Anja Peter von Katharina Wehrli in der Moneta

Im Artikel von Katharina Wehrli geht es um Visionen für Sorgearbeit ohne Zeit- und Kostendruck und darum, woran wir bis jetzt gescheitert sind: am politischen Willen. Anja durfte dazu beitragen: «Wenn wir anerkennen, dass es ohne unbezahlte Arbeit auch nichts anderes gibt: keine Produktivität, keine Politik, keine Kultur – rein gar nichts, dann müssen wir die Verhältnisse vom Kopf auf die Füsse stellen.»